Begriff Empowerment ... in english language

10 Positionen zu Empowerment

Das englische Wort "empowerment" hat in der deutschen Sprache keine direkte Wortentsprechung. Selbstermächtigung ist eine gute Übersetzung, vermittelt jedoch nicht eindeutig den gesellschafts- und menschenrechtspolitischen Aspekt des Empowermentbegriffs. Deshalb haben wir notwendigerweise das originäre empowerment für unsere Arbeit gewählt. Wir wissen, dass in unserer Arbeit Anglizismen vermieden werden sollten. Eine von Barrieren frei Spache ist Grundvorausetzung für eine Begegnung "auf gleicher Augenhöhe". Wir hoffen aber, dass empowerment an das englische "power", das in unsere Umgangssprache Eingang gefunden hat, anschlussfähig wird und wir aus dem Blickwinkel eines neuen Machtbegriffs zur Verbreitung der Philosophie und Tradition einer weltweiten Empowerment-Bewegung beitragen können.

1. Der Empowerment-Begriff ist im anglo-amerikanischen Raum geläufig und besonders dort im Bereich psychosozialer Arbeit. Im Gegensatz zum Empowermentansatz stehen die klassischen Hilfekonzepte, die in ihrer negativen Form zur "erlernten Hilflosigkeit" führen können. Hierzulande wird der Empowermentbegriff häufig mit „Hilfe zur Selbsthilfe“ gleichgesetzt. Doch der Hilfeaspekt im Selbsthilfebegriff ist aus Empowerment Sicht kritisch zu sehen. Denn auch gut gemeinte Hilfe kann die Stärkung von Eigenkräften behindern.

2. Empowerment ist historisch gesehen in den U.S.A. der 60er-Jahre durch die Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) und durch die Frauenbewegung (Womens Liberation) als sozialkritischer und gesellschaftspolitischer Begriff geprägt worden. Er entstammt dem Geist der Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther Kings: "I have a dream", kann als Empowerment Manifest verstanden werden. Empowerment ist keine neue Methode Sozialer Arbeit, sondern ein Menschenrechtsbegriff und Prozessbegriff der Selbst-Ermächtigung. Er gehört den Personen und Gruppen, deren Würde und Rechte in irgendeiner Weise verletzt oder bedroht sind. Im Spannungsfeld von unterstützender Hilfe und Empowerment können wir sinngemäß übersetzen: Empowerment will die Kraft in uns bestärken, die uns befähigt, unsere Potentiale zu entfalten. Empowerment ermächtigt uns, unser Leben selbst zu bestimmen und für ein menschenwürdiges Leben einzutreten.

3. Empowerment meint die Kraft, die auf der eigenen Stärke beruht und nicht auf der Aneignung von Macht durch die Entmächtigung anderer. Sie ist auch nicht von der Definitionsmacht Dritter abhängig. Empowerment bestärkt unsere Menschenkräfte. Sie sind einzigartig und individuell. In diesem Sinne besitzt jeder Mensch Macht. Empowerment ist ein Selbstermächtigungsprozess zur Entfaltung unserer Menschenkräfte auf individueller, sozialer und gesellschaftlicher Ebene.

4. Der Begriff "empowerment" erschien 1976 erstmals als Buchtitel: "Black Empowerment: Social Work in Oppressed Communities", verfasst von der Professorin Barbara B. Solomon. Einen wesentlichen Beitrag zur Verstetigung und Theoriebildung in der Sozialen Arbeit leistete die Basisarbeit der Gemeindepsychologie und des Community Organizing. Die Community Action-Programme gehen bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Im deutschsprachigen Raum sprechen wir seit den 70er Jahren von "Hilfe zur Selbsthilfe" und von "Emanzipation"; seit den 80ern von "Partizipation" und "Chancengleichheit" und seit den 90ern von "Selbstverwirklichung" und "Coaching". Neuerdings hat der Empowerment- Begriff, ebenfalls ausgehend von den U.S.A., als Zauberwort neuer Managementansätze zur Unternehmensführung Karriere gemacht. Lernende Organisationen und Empowermentprozesse werden als Führungsmodelle der Zukunft betrachtet. All dies sind einzelne Aspekte und Fassetten einer Konstruktion des Empowerment-Begriffs.

5. Empowerment fokussiert, mehr als das in Deutschland geprägte Verständnis von Hilfe zur Selbsthilfe, die persönliche Autonomie und Verantwortung. Eigenverantwortlichkeit nicht als missverstandenes sozialdarwinistisches Prinzip, sondern im Gegenteil: Verantwortung in Verbindung mit der Achtung und Wertschätzung eines jeden Einzelnen und seiner ihr und ihm innewohnenden "Schätze" und Kräfte, unabhängig vom ihrem (aktuellen) "Marktwert" als so genanntes Humankapital.

6. Wir können davon ausgehen, dass es Empowerment gibt, seit der Mensch existiert. Die Geschichte der Menscheit ist voll von Selbstermächtigungsprozessen Einzelner und ganzer Gruppen, sei es im Bezug auf das äußere als auch auf das innere Leben. Beide können nicht voneinander getrennt gesehen werden. Auch im personalen und transpersonalen Raum sind Empowermentprozesse wirksam. Die großen östlichen Philosophien beschreiben seit den Tagen der weisen Rishis Wege der Selbstermächtigung bis hin zur Selbstverwirklichung der eigenen "göttlichen" Natur. Menschen können außergewöhnliche Kräfte entfalten. Auch heute leben "heilige" Menschen unter uns, die Einsicht in die unbegrenzte Natur des Geistes erlangt haben und gerade deshalb ganz und gar "normale" Menschen sind.

7. Empowermentprozesse gehen vom Individuum auf soziale Gruppen, Organisationen und die Gesellschaft über. Im Zeitalter der Globalisierung wird davon die Menschheit als Ganzes beeinflusst. Empowerment mag zu einem Modebegriff des neuen Jahrzehnts im neuen Jahrhundert werden, der über den Bereich der Sozialen Arbeit hinausgeht und Gefahr läuft, von der Politik vereinnahmt und instrumentalisiert zu werden. Sicher ist, dass dieser Begriff einen Paradigmenwechsel anzeigt, hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit des einzelnen Menschen, von Menschen für Menschen und die Menschheit als Ganzes.

8. Empowerment beabsichtigt nicht ein bestimmtes Ergebnis, sondern ist in seiner Haltung wertfrei. Kein Mensch kann einen anderen "empowern". Jede/r trifft ihre/seine Entscheidung für sich selbst.

9. Empowerment als Beratungskonzept ist nicht gleichgültig gegenüber den äußeren, existentiellen und gesellschaftlichen Bedingungen der einzelnen Person. Sie bezieht die Ressourcen des Umfeldes mit ein und bestärkt die Mitglieder einer Gruppe für ihre Rechte, existentiellen Bedürfnisse, für Gesundheit, Wohnen und Arbeit, für Lebensqualität, Bildung und Kultur; für ihre Teilhabe an der Gesellschaft einzutreten. Teilhabe beinhaltet die Wertschätzung der Potentiale, Ressourcen und Talente jedes Einzelnen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Krankheit, Kultur, Religion und Ethnie.

10. Empowerment ist eine Grundhaltung, eine Philosophie, die sich in einem Menschenbild spiegelt, das von Wertschätzung, Würde und gleicher Rechte aller Menschen geprägt ist. Empowerment ist keine neue Methode Sozialer Arbeit oder anderer verwandter Disziplinen. Jedoch ist zu wünschen, dass in Zukunft die abstrakte Philosophie des Empowerment in intelligentes, aber leicht anwendbares Handwerkszeug "in der Hand der NutzerInnen" übertragbar wird. Auf diese Weise kann Empowermentwissen besseren Zugang in die Praxis finden und zum Allgemeingut werden. Hierzu wollen wir mit unsereren Empowerment Angeboten beitragen.

Dies ist die Vision und Motivation der Gründerin Beate Blank und so versteht sie ihren Beitrag zum derzeitigen Stand der fachlichen Diskussion in Deutschland.

empowerment consulting schafft mit dieser Haltung und mit dem Blick auf die Schönheit der Potentiale eines jeden Menschen, einer Gruppe oder einer Organisation den Raum, der Entfaltung möglich macht.

Hierfür steht die sich entfaltende Rose im Logo als Symbol.

Stuttgart, im Februar 1999